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Vergeudet nicht die Schönheit des Landes6 Std. Vergeudet nicht die Schönheit des Landes
Kurier
Nach Corona muss sich Österreich auf seine Stärken besinnen und viel mehr als bisher auf Stadtbildpflege und Raumplanung achten And now for something completely different, um mit Monty Python zu sprechen. Aber Achtung, glücklich macht es auch nicht. Wenn wir heuer im Sommer nach eineinviertel Jahren Corona-Mühsal die Scherben unseres Wirtschaftslebens aufklauben, wird man die Frage nach den Kernkompetenzen des Landes stellen müssen. International bekannt sind wir für Kultur und Tourismus. Österreich zehrt vom Ruf, ein wunderschönes Land zu sein. Was eigentlich dazu führen müsste, dass man mit der Substanz pfleglich umgeht, manches sogar wiederaufbaut (wie in Berlin das Stadtschloss, was durchaus kontroversiell diskutiert wurde). Doch es herrscht seit Jahrzehnten absurde Achtlosigkeit: Zum Beispiel werden dank eines Mietrechts, das die Mietpreise selbst im qualitativ hochwertigen Altbau stark limitiert, auch schützenswerte Gebäude gnadenlos geschleift und durch gesichtsloses Neues ersetzt. Plätze – von Praterstern bis Reumannplatz – werden in Asphaltwüsten verwandelt und viele markante Orte unwiederbringlich zer- und gestört: Neustift und Steinhof etwa. Einer der wenigen gelungenen Plätze, wo Alt und Neu wunderbar vereint und neues Leben eingehaucht wurde, ist immerhin das Museumsquartier. In New York verlängert man jetzt die „High Line“, einen über zwei Kilometer langen Park in Manhattan auf einer alten Güterzugtrasse. In Wien strahlt die alte, verfallende Stadtbahntrasse nicht einmal morbiden Charme aus. Wirklich schlimm ist unser Umgang mit alter Wirtschafts- und Industriearchitektur. Die Wiener Markthallen wurden fast zur Gänze abgerissen (nun soll wenigstens eine neue errichtet werden – man darf sich nach ersten Plänen aber jetzt schon fürchten). Alte Bahnhöfe wurden durch Allerweltsarchitektur ersetzt. Beim Hauptbahnhof hat man die Jahrhundertchance vertan, dort eine Museumsinsel zu schaffen. Wer das schönredet, soll bitte die neue Penn Station in New York, die Canary-Wharf-Station in der Londoner City (an der eine österreichische Firma mitwirkte!) oder den Flughafen Singapur betrachten. (Über den Flughafen Wien breiten wir lieber den Mantel des Schweigens …) Stadtbildpflege und Ensembleschutz sind auch am Land Fremdworte. Shopping-Stadtrandwucherungen zerstören die Ortskerne. Diese Verödung wird durch die Folgen von Corona noch massiv beschleunigt. Nun mag man einwenden, das sei anderswo genauso. Stimmt nicht. Schauen Sie über die Grenzen nach Bayern, Südtirol oder in die Schweiz: So viel liebloses „Architektur“-Durcheinander, so viele hässliche Industriehallen gibt es dort nicht. Österreich kann sich nicht darauf verlassen, mühelos weiterhin Tourismushochburg zu sein. Es ist Zeit, unsere Stärken zu stärken, statt auf halbherzige Modernität zu setzen. Befolgen wir lieber den Marketingspruch: „Vermehrt Schönes!“
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CDU: Eine stolze Partei in Not6 Std. CDU: Eine stolze Partei in Not
Kurier
Der neue CDU-Chef wird wohl eher nicht auch Kanzlerkandidat - das sagt viel über den Zustand der Partei Das haben nicht viele andere Volksparteien geschafft: In knapp mehr als 70 Jahren hat die CDU 51 Jahre den Kanzler gestellt. Ihre Vorsitzenden Adenauer, Erhard, Kiesinger, Kohl und Merkel haben das Land geprägt – und auch von zwei der drei SPD-Kanzler, nämlich Schmidt und Schröder, sagt man, sie waren eigentlich in der falschen Partei. Jetzt wählt sich die CDU einen neuen Vorsitzenden, man ist versucht zu sagen: hat keine andere Wahl, weil Angela Merkel nicht mehr zur Verfügung steht. Und viel spricht dafür, dass der neue Parteichef im Herbst nicht auch Kanzlerkandidat der Union sein wird. Weil die zur Auswahl stehenden Herren Merz, Laschet und Röttgen nach jetzigem Stand klar weniger Wahlchancen hätten als ein Markus Söder (CSU) oder allenfalls ein, wenn ihn Corona-Pannen nicht politisch ruinieren, Jens Spahn. Das sagt viel über Zustand und Personal der einst so stolzen Partei. Sie lag wie alle Volksparteien am Boden, weshalb Merkel vor zwei Jahren ihren Abschied einleitete. Sie erfing sich dank Merkel, fehlender Alternativen und Corona wieder. Sie steht für eine gerne gescholtene, aber erfolgreiche pragmatische Mitte – aber wohin sie gehen wird, wofür sie stehen soll, wer ihr bisheriges Selbstvertrauen nicht nur behaupten, sondern Stimmen bringend auch verkörpern kann, steht in den Sternen. Kanzler ist zwei Schuhnummern zu groß. Einer der drei Kandidaten muss überhaupt erst beweisen, dass die Parteichefinnenschuhe nicht zu groß sind. Dass auch Merkel seinerzeit in ihre erst hineinwachsen musste, ist der CDU momentan vielleicht der einzige Trost.
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19 Std. Live-Sport: beliebt, aber ...
Kurier
Kaum etwas anhaben konnte dem Fernsehsport das Coronavirus. 20 Stunden und 45 Minuten Sport, beinahe alles davon Live-Übertragungen, sendet der ORF am Samstag und Sonntag von jeweils 9 Uhr Früh an. Und zwar ausschließlich auf seinem Flaggschiff ORF 1. Parallel dazu wird auf dem Spartenkanal ORF Sport+ in Echtzeit u. a. gerodelt, eisschnellgelaufen und gebaggert (nicht bei den Liebesg’schichten, sondern mit dem Volleyball). Wer nun meint, das sei alles ein bisserl gar viel, dem kann man nur schwer widersprechen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Rundfunkanstalt kaum über nennenswerte Live-Rechte im Klub-Fußball verfügt. Das ändert sich freilich im Sommer, sofern die EM-Endrunde stattfinden kann. Dort ist der ORF im Bilde. Kaum etwas anhaben konnte dem Fernsehsport das Coronavirus. Die Entscheidung beim Nachtslalom der Damen in Flachau am Dienstag sahen zur Primetime 1,15 Millionen ORF-Seher. Bei den Wochenendrennen um die Mittagszeit liegt der Marktanteil konstant bei 50 Prozent. Die Pandemie-bedingt traurigen Kulissen an den Wettkampfstätten scheinen die Konsumenten nicht zu stören. Das könnte noch zum Problem werden. Fernsehen ist bequem, der Gang ins Stadion oder an den Pistenrand wird – sofern wieder erlaubt – fordernder werden. Schnelltests oder Negativ-Bescheide werden auch hier das Mindeste sein, womöglich wird mancherorts sogar der Impfnachweis zu erbringen sein.
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