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Corona-Cluster in Altersheimen: Zwischen Angst und Einsamkeit 30. Nov. 2020, 18:20 Corona-Cluster in Altersheimen: Zwischen Angst und Einsamkeit
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Der besondere Schutz von Altersheimen gilt als eines der obersten Ziele der Corona-Maßnahmen. Das darf uns nicht entgleiten. Es waren herzzerreißende Bilder, die im Frühjahr die Runde machten. Ältere Menschen, die ihren Enkelkindern, durch eine Glasscheibe getrennt, nur zuwinken konnten. Mit einem Lächeln im Gesicht, das die Traurigkeit der Situation kaum überspielen konnte. Ein Betreten oder Verlassen der Altersheime war wegen der Corona-Maßnahmen vielfach nicht möglich, Gespräche konnten nur über das Handy geführt werden. Das war im Frühjahr, in der Zeit des ersten harten Lockdowns. Zu diesem Zeitpunkt wurde immer auch auf die Alters- und Pflegeheime verwiesen, wenn es darum ging, die harten Corona-Beschränkungen zu verteidigen. Als abschreckendes Beispiel galt Schweden, wo der damals freizügigere Umgang mit der Covid-19-Pandemie zu einer höheren Todesrate in den Alters- und Pflegeheimen geführt hatte. Davon ist jetzt nichts mehr zu hören, weil wir mittlerweile selbst Gefahr laufen, dass wir diese Vorgabe nicht erfüllen können. Seit die Infektionszahlen insgesamt wieder stark angestiegen sind, gibt es kaum eine Woche, in der nicht über einen neuen Cluster in einem Alters- oder Pflegeheim berichtet wird. Der Höhepunkt ist jene Einrichtung in der Steiermark, wo jetzt das Bundesheer einspringen muss, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Erschreckend sind dabei die Todeszahlen, die diese Entwicklung begleiten. Von den bislang 3.184 Covid-Toten in Österreich entfallen bereits 1.228 auf Alters- und Pflegeheime. Doch wie konnte das gerade bei der Altenbetreuung, welche die ganze Zeit hindurch unter besonderer Corona-Beobachtung gestanden ist, so entgleiten? Die Antworten liegen – wie bei der allgemeinen Corona-Entwicklung – in den Sommermonaten. Da war man sich zu sicher und auch stolz darauf, dass der Anteil der Covid-Fälle in diesen Einrichtungen im internationalen Vergleich niedrig ausfällt, wie in einer Studie des Gesundheitsministeriums vom Juli zu lesen ist. Dazu kam der unbändige Wunsch der Heimbewohner nach einem Ende der bedrückenden Isolation, nach regelmäßigen Besuchen der Angehörigen. Weiters war die Volksanwaltschaft auf den Plan getreten, die dezidiert erklärte, dass Heimbewohnern das Verlassen ihrer Einrichtung nicht untersagt werden darf. Die Lockerungen haben auch die Vorsichtsmaßnahmen etwas löchrig werden lassen. Mit dem neuerlichen Lockdown wurden zwar wieder schärfere Corona-Rahmenbedingungen für die Heime verabschiedet, die Auswirkungen sind aber noch nicht spürbar. Ein Wegsperren wie im Frühjahr wurde – Gott sei Dank – nicht mehr verordnet. Das ist auch nicht die Lösung. Aber der Schutz durch mehr Testungen und bessere Masken muss rasch forciert werden, damit das Weihnachtsfest gelingen kann. Denn diese Menschen sehnen sich ganz besonders nach Familie.
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Iran: Nett allein reicht nicht 30. Nov. 2020, 17:05 Iran: Nett allein reicht nicht
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Konrad Kramar über die Folgen des Attentats auf Mohsen Fachrisadeh. Da haben also die Israelis Joe Biden ein nettes Begrüßungsgeschenk vors Weiße Haus gestellt. Ein toter Atomforscher, Racheschwüre iranischer Radikaler, und wieder einmal wachsende Spannungen in der Krisenregion. Die charmante und vom Biden-Team lancierte Idee, das Atomabkommen mit dem Iran wieder auf Schiene zu bringen, also dort weiterzumachen, wo Obama einst aufhörte, ist damit vorerst vom Tisch. So einfach wird sich der Konflikt mit Teheran und seinen Handlangern, ob in Beirut, oder in Gaza, nicht aus der Welt schaffen lassen. Zugleich wird auch die rechte Regierung in Jerusalem kaum ihren aggressiven Kurs gegenüber den Palästinensern verlassen.
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30. Nov. 2020, 7:45 "Hygiene leben"? Wir brauchen endlich bessere Daten
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Zwei Drittel des Lockdowns sind vorüber, die Zahlen noch immer zu hoch. Mit "Hände waschen" alleine kommen wir nicht weiter.
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Welche Folgen Corona auch noch hat 30. Nov. 2020, 5:48 Aktualisiert Welche Folgen Corona auch noch hat
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Die Pandemie könnte noch viel mehr Menschen zu Migranten machen. Doch die EU wirkt darauf herzhaft unvorbereitet Wer wissen will, welche neben den uns bekannten Folgen die Coronapandemie noch hat, der werfe einen Blick auf die Kanarischen Inseln: In den zu Spanien gehörenden Urlaubsparadiesen landen seit dem Spätsommer täglich Migranten an. Heuer sind bereits zehn Mal mehr Menschen aus diesen Fischerbooten gestiegen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Probleme dabei sind die alten, so wie man sie schon in schlimmster Form vom Flüchtlingslager des Schreckens „Moria“ auf Lesbos kennt: Überfüllte Lager, viel zu lange Asylprozeduren, schleppende Rückführungen, eine verzweifelte Inselbevölkerung – und das angesichts sehr vieler Wartender, die kaum Aussicht auf Asyl haben. Denn – und das ist das Neue – mehr als 40 Prozent der heuer in Europa angelandeten Migranten und Flüchtlinge stammen aus Marokko, Algerien und Tunesien. Flüchtlingsbetreuer berichten: Fast alle dieser jungen Männer waren Straßenverkäufer, Tagelöhner oder Taxifahrer, als der Tourismus noch boomte. Doch dann kam Corona. Das Virus legte nicht nur den Gästestrom trocken und brachte die mageren Einkommensquellen zum Versiegen, sondern verschärfte auch noch die Wirtschaftskrise, die in ihren Heimatländern ohnehin schon herrscht. Die UNO befürchtet, dass die Pandemie noch viel mehr Menschen zu Migranten machen könnte. Denn die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Corona-Wütens könnten sich schlimmer auswirken als die Seuche selbst. In der Europäischen Union und in jedem einzelnen ihrer Mitgliedsstaaten sollte man das eigentlich auch wissen. Das heißt: Man sollte schon längst planen, wie mit einem zu erwartenden Zustrom an Migranten und Flüchtlingen umzugehen ist. Seit Monaten liegt nun der mit großem Pomp und Trara angekündigte EU-Migrationspakt auf den Tischen der Regierungskanzleien, und herausgekommen ist bisher – nichts, außer dem alten Streit: Die einen Staaten nehmen keine Asylsuchenden auf, und die anderen pochen vehement auf Verteilung der Flüchtlinge in Europa. Und dazwischen liegt das eher hilflos anmutende Angebot der EU-Kommission an Länder wie etwa Österreich, die sich kategorisch gegen Flüchtlingsquoten wehren: Als Zeichen ihrer „flexiblen Solidarität“ sollten diese Länder eben mehr Rückführungen von Migranten in deren Heimatländer organisieren. Dass dieses halbgare Konzept keine Antwort auf die in Europa ungelösten Migrationsfragen liefert, liegt auf der Hand. Angesichts dieser anhaltenden Schwäche hat die EU dennoch auch ein wenig Glück: Denn insgesamt sind die Zahlen illegaler Migranten heuer so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr – auch das eine Folge der Corona-Pandemie. Doch auf dieses Glück kann die EU nicht lange zählen.
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