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Wer will beim Impfen schon Versuchskaninchen sein?29 Std. Wer will beim Impfen schon Versuchskaninchen sein?
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Das Pflegepersonal erlebt die Corona-Impfung nicht als Privileg, sondern als Zwang. Man sollte die Betroffenen ernst nehmen. Dass der Standort nur allzu oft den Standpunkt bestimmt, ist eine wohlbekannte Weisheit. Inmitten der Pandemie erfährt sie ungeahnte Brisanz – ausgerechnet an jenen Orten, die im Kampf gegen das Virus im Fokus stehen: in Alten- und Pflegeheimen. Während viele Österreicher die Lieferung weiterer Impfdosen herbeisehnen und sich lieber heute als morgen immunisieren lassen würden, ist die Skepsis in einer Gruppe, die im Impfplan an vorderster Stelle steht, besonders groß. Nur die Hälfte des Pflegepersonals ist dem Vernehmen nach bereit, sich gegen Corona impfen zu lassen. Was die einen als Privileg wahrnehmen, ist für andere ein intolerabler Zwang. Die Folgen der Verweigerungshaltung können gravierend sein. Sie führt zur skurrilen Situation, dass jene, die in besonders engem Kontakt mit der sogenannten vulnerablen, also verletzlichen Gruppe stehen, eine potenzielle Gefahr bleiben. Was passiert, wenn Pfleger das Virus ins Heim tragen, hat sich kürzlich gezeigt. Im Fall der Bewohner eines Wiener Pflegeheims, die sich wohl mit der britischen Mutation infizierten, dürfte der Überträger kein Besucher gewesen sein – sondern ein Mitarbeiter. Auch der Vorbildwirkung, die dem Gesundheitsbereich (unfreiwillig?) zukommt, werden die Pfleger derzeit nicht gerecht. Ihre Skepsis ist Wasser auf die Mühlen von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern. Ja, wenn denn nicht einmal die Profis dem Impfstoff trauen … Rasch wird da der Ruf nach einer Impfpflicht laut: Nur wer sich spritzen hat lassen, soll (weiter) im Medizin- und Pflegebereich tätig sein dürfen. Die Forderung klingt logisch. Vor allem aber ist sie bequem. Zwänge lassen sich bekanntermaßen am leichtesten dann aussprechen, wenn sie die anderen betreffen. Lohnender wäre es, die Betroffenen ernst zu nehmen. Verdient haben sie es sich. Das Pflegepersonal leistet in der Krise – und ja: auch davor – harte Arbeit. Unter schwierigen Bedingungen, mit Masken, bei geringer Entlohnung. (Die Lage ausländischer Pflegerinnen in der Heimpflege ist noch prekärer. Wann und in welchem Land sie geimpft werden? Unklar.) Die Öffentlichkeit galt den Einsatz einst mit eifrigem Klatschen ab. Das ist keine Wertschätzung, eher ein Hohn. Wenn das Pflegepersonal sich als Versuchskaninchen fühlt, zeigt das: In der Kommunikation der Impfstrategie ist gravierend etwas schiefgelaufen. Zu viele Fragen sind offen. (Eine für die Pflege zentrale: Können Geimpfte das Virus übertragen?) Der Verdacht, dass andere Bevölkerungsgruppen ähnliche Zweifel hegen, wenn sie an der Reihe sind, erhärtet sich jedenfalls. Angesichts konstant hoher Infektionszahlen kann sich das Land das nicht leisten. Ausräumen kann man die Sorgen weder mit Zwang, noch mit PR. Sondern nur mit dem Bemühen um ehrliche Information. Diese wird von der Politik kommen müssen – denn auf Social Media gibt es sie garantiert nicht.
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Wer frei von Schuld ist, werfe die erste Impfdose42 Std. Wer frei von Schuld ist, werfe die erste Impfdose
Kurier
Über die vorgezogene Corona-Impfung von IKG-Präsident Oskar Deutsch und die Kritik, die daraus erwächst. Ich bin überzeugt, dass alles was innerhalb der jüdischen Kultusgemeinde passiert, am besten auch innerhalb der jüdischen Kultusgemeinde bleiben sollte. Das mag für Außenstehende, also die mit nicht-jüdischen Ohren, sehr reaktionär klingen - ist es vielleicht auch – aber so bin ich nun mal erzogen worden. Meine Eltern haben den Holocaust, mehr tot als lebendig, überlebt und fanden sich Anfang der 50er Jahre in einem Post-Nazi-Wien in einer winzigen Gemeinschaft von anderen Überlebenden wieder. Die größte empfundene Gefahr dieser Gemeinde war wahrlich nicht „mangelhafte Integration“ – für die es heute sogar ein nicht-funktionierendes Ministerium gibt – sondern Assimilation. Daher hat man emotionale und kommunikative Schutzmauern, rund um diese kleine, fragile, jüdische Enklave gebaut. Die Mauern sind im Laufe der Jahrzehnte dünner und dünner geworden und im gegenständlichen „Fall“ schon längst und mehrfach gefallen. Der KURIER hat es meines Wissens als erstes gebracht, aber eine Reihe von anderen Medien sind gefolgt. Jetzt hat auch das jüdische Magazin Nu die autoaggressive Selbstimpfung des Präsidenten der Israelitischen (schon seltsam wie das Wort „Jüdische“ vermieden wird) Kultusgemeinde thematisiert. Wer die Herausgeberschaft dieses Mediums kennt, ist nicht überrascht: Martin Engelberg hat um das Amt des Kultuspräsident gerittert und danach aus der Oppositionsrolle nicht mehr recht herausgekommen. Politisches Kleingeld wechseln scheint offensichtlich auch in kleinen Communities – ich schätze, dass die jüdische Gemeinde nicht viel mehr als 7000 Menschen zählt – ein beliebtes Spielchen zu sein. Kleines Kleingeld halt. Ich bin in der Frage, was ich von der zur Affäre hochgeschaukelten Impfaktion rund um Kultuspräsident Oskar „Ossi“ Deutsch halte, eine Personalunion aus Pro & Contra. Natürlich hätte es nicht passieren dürfen. Vor allem, weil es so einfach gewesen wäre, das Richtige zu tun. Die im Maimonides Zentrum übrig gebliebenen Impfdosen, hätten an ältere Mitglieder der Gemeinde verimpft werden sollen. Die schnelle Benachrichtigung der in Frage kommenden Personen wäre keine logistische Herkulesarbeit gewesen. Ob der Präsident in diese Gruppe fällt? Diese Antwort hätte er unter keinen Umständen selbst geben dürfen. Die Optik – und leider mehr, als nur die Optik – ist und bleibt schief. Hat er sich selbst beschädigt? Hat er das Amt des Kultuspräsidenten beschädigt? Hat er die Wiener jüdische Gemeinde beschädigt? Die erste Frage ist leicht zu beantworten: „Ja.“ Die zweite Frage ist ebenfalls mit „ja“ zu beantworten, aber dieses „ja“ bedarf einer Erläuterung. Die politische Bedeutung des Amts eines Kultuspräsidenten geht – zumindest ist das in allen europäischen Metropolen der Fall – weit über die jeweilige Größe der jüdischen Gemeinden hinaus. Charlotte Knobloch, zum Beispiel, die Präsidentin der Münchner Gemeinde ist eine enge Vertraute von Angela Merkel. Ob das dem Amtsverständnis von Ossi Deutsch entspricht, kann ich nicht sagen und ob er diesem Amtsverständnis entspricht, will ich nicht sagen. Die dritte Frage ist eindeutig mit „nein“ zu beantworten. Die Gemeinde wird von ganz anderen Dingen beschädigt. Der Antisemitismus nimmt in erschreckendem Ausmaß zu. Und dieser Antisemitismus wird genährt vom willkürlichen Wahn der Antisemiten. Ob da jetzt noch der Impf-Antisemitismus dazu kommt ist, wie man in Wien sagt, „a scho wurscht“. Aber die eigentliche Frage ist: was hätte ich getan, wenn man mich angerufen und informiert hätte, dass eine Impfdose auf mich wartet? Ich hätte nicht viel gefragt und mich impfen lassen.
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Wir haben die Corona-Hilfen bereits bezahlt42 Std. Wir haben die Corona-Hilfen bereits bezahlt
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Niedrige Zinsen entlasten den Staatshaushalt zwar, kosten aber die Anleger Milliarden. Die Bilanz ist erst in drei Jahren zu ziehen Zuletzt konnten wir in Kommentaren zu den Corona-Hilfspaketen lesen: „Wer soll das bezahlen?“, in Anlehnung an das alte Kölner Karnevalslied. Tenor: Der Staat hilft uns jetzt mit x Milliarden Euro, und das müssen wir Steuerzahler dem Staat wieder zurückzahlen. Aus dem politisch linken Spektrum werden vermehrt Vermögensabgaben gefordert. Ein Aspekt wird dabei oft übersehen: Der Staat schuldet uns mehr als wir ihm! Knallharte Zahlen untermauern dies. Schon 2019 errechnete die Österreichische Bundesfinanzierung: die Republik wird sich durch das viel niedrigere Zinsniveau seit der Finanzkrise 2008 gegenüber früher insgesamt 69 Milliarden Euro ersparen. Jedes Jahr kommen da noch einige Milliarden an Ersparnis hinzu!
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Studium auf Augenhöhe: Weiter eine Utopie42 Std. Studium auf Augenhöhe: Weiter eine Utopie
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Die Novelle des Universitätengesetzes bringt neue Hürden, statt Studierende auf die vor ihnen liegenden Herausforderungen vorzubereiten. Studieren ist anspruchsvoll, und Studierende treffen besonders am Start ihres Studiums auf Herausforderungen. Gerade beim Studienstart ist es darum wichtig, Studierende zu unterstützen. Die Novelle des Universitätsgesetzes möchte sich diesem Ziel annehmen, und unterstreicht das „partnerschaftliche Verhältnis zwischen der Universität und ihren Studierenden“. Bemerkenswert ist dabei, dass die Novelle kein sehr partnerschaftliches Bild von Studierenden zeichnet. Die Novelle sieht vor, dass Studierende 24 ECTS Punkte sammeln müssen, um nicht exmatrikuliert zu werden. Können sie diese Punkte-Anzahl bis zum vierten Semester nicht vorweisen, werden sie exmatrikuliert. Für die folgenden 10 Jahre können sie dieses Studium dann nicht mehr belegen. Erst nachdem Studierende 100 ECTS Punkte gesammelt haben, soll ihnen die Universität ein „Learning Agreement“ anbieten – dann erhalten sie, ähnlich wie schon jetzt, Zugang zu Seminaren mit beschränkten Plätzen. Diese Regeln machen deutlich, wie Studierende in der Novelle verstanden werden: Studierende sind institutionelle Akteure, die Mindestbestimmungen zu erfüllen haben. Aus Perspektive der Novelle besteht die Partnerschaft der Studierenden darin, jene Auflagen zu erfüllen, die vonseiten des Gesetzes an sie gerichtet werden. Dabei ist Partnerschaft gemeinhin als eine soziale Gemeinschaft definiert, in der Verpflichtungen zum Wohlergehen des Partners eingegangen werden. In der Novelle werden Studierende verpflichtet, Bildungsziele zu erfüllen. Gleichzeitig verpflichtet sich die Novelle aber nicht zur Unterstützung der Studierenden. Eine Novelle sollte dafür Rahmenbedingungen setzen. Dazu ist es sinnvoll, Studierende nicht nur als Erfüller von Mindestbestimmungen zu verstehen, sondern als Akteure in einer Institution, in der sie sich einfinden sollen. Hierfür gilt es, bereits zum Studienstart Räume zu schaffen, in denen Studierende Orientierung finden. In Dänemark wurde dazu eine strukturierte Studienstart-Woche eingerichtet, in der Studierende Lehrende treffen, die sie fachlich und sozial mit dem Fach bekannt machen, und Erwartungen mit ihnen besprechen. Hinter dieser Einrichtung stehen die Lehrenden eines Fachs, die gemeinsam Anforderungen beschreiben, die Studierende zu Beginn eines Studiums erfüllen sollen und können. Die Novelle des Universitätsgesetzes könnte auch dafür Rahmenbedingungen setzen.
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Gastkommentar42 Std. Gastkommentar
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Über die vorgezogene Corona-Impfung von IKG-Präsident Oskar Deutsch und die Kritik, die daraus erwächst. Ich bin überzeugt, dass alles was innerhalb der jüdischen Kultusgemeinde passiert, am besten auch innerhalb der jüdischen Kultusgemeinde bleiben sollte. Das mag für Außenstehende, also die mit nicht-jüdischen Ohren, sehr reaktionär klingen - ist es vielleicht auch – aber so bin ich nun mal erzogen worden. Meine Eltern haben den Holocaust, mehr tot als lebendig, überlebt und fanden sich Anfang der 50er Jahre in einem Post-Nazi-Wien in einer winzigen Gemeinschaft von anderen Überlebenden wieder. Die größte empfundene Gefahr dieser Gemeinde war wahrlich nicht „mangelhafte Integration“ – für die es heute sogar ein nicht-funktionierendes Ministerium gibt – sondern Assimilation. Daher hat man emotionale und kommunikative Schutzmauern, rund um diese kleine, fragile, jüdische Enklave gebaut. Die Mauern sind im Laufe der Jahrzehnte dünner und dünner geworden und im gegenständlichen „Fall“ schon längst und mehrfach gefallen. Der KURIER hat es meines Wissens als erstes gebracht, aber eine Reihe von anderen Medien sind gefolgt. Jetzt hat auch das jüdische Magazin Nu die autoaggressive Selbstimpfung des Präsidenten der Israelitischen (schon seltsam wie das Wort „Jüdische“ vermieden wird) Kultusgemeinde thematisiert. Wer die Herausgeberschaft dieses Mediums kennt, ist nicht überrascht: Martin Engelberg hat um das Amt des Kultuspräsident gerittert und danach aus der Oppositionsrolle nicht mehr recht herausgekommen. Politisches Kleingeld wechseln scheint offensichtlich auch in kleinen Communities – ich schätze, dass die jüdische Gemeinde nicht viel mehr als 7000 Menschen zählt – ein beliebtes Spielchen zu sein. Kleines Kleingeld halt. Ich bin in der Frage, was ich von der zur Affäre hochgeschaukelten Impfaktion rund um Kultuspräsident Oskar „Ossi“ Deutsch halte, eine Personalunion aus Pro & Contra. Natürlich hätte es nicht passieren dürfen. Vor allem, weil es so einfach gewesen wäre, das Richtige zu tun. Die im Maimonides Zentrum übrig gebliebenen Impfdosen, hätten an ältere Mitglieder der Gemeinde verimpft werden sollen. Die schnelle Benachrichtigung der in Frage kommenden Personen wäre keine logistische Herkulesarbeit gewesen. Ob der Präsident in diese Gruppe fällt? Diese Antwort hätte er unter keinen Umständen selbst geben dürfen. Die Optik – und leider mehr, als nur die Optik – ist und bleibt schief. Hat er sich selbst beschädigt? Hat er das Amt des Kultuspräsidenten beschädigt? Hat er die Wiener jüdische Gemeinde beschädigt? Die erste Frage ist leicht zu beantworten: „Ja.“ Die zweite Frage ist ebenfalls mit „ja“ zu beantworten, aber dieses „ja“ bedarf einer Erläuterung. Die politische Bedeutung des Amts eines Kultuspräsidenten geht – zumindest ist das in allen europäischen Metropolen der Fall – weit über die jeweilige Größe der jüdischen Gemeinden hinaus. Charlotte Knobloch, zum Beispiel, die Präsidentin der Münchner Gemeinde ist eine enge Vertraute von Angela Merkel. Ob das dem Amtsverständnis von Ossi Deutsch entspricht, kann ich nicht sagen und ob er diesem Amtsverständnis entspricht, will ich nicht sagen. Die dritte Frage ist eindeutig mit „nein“ zu beantworten. Die Gemeinde wird von ganz anderen Dingen beschädigt. Der Antisemitismus nimmt in erschreckendem Ausmaß zu. Und dieser Antisemitismus wird genährt vom willkürlichen Wahn der Antisemiten. Ob da jetzt noch der Impf-Antisemitismus dazu kommt ist, wie man in Wien sagt, „a scho wurscht“. Aber die eigentliche Frage ist: was hätte ich getan, wenn man mich angerufen und informiert hätte, dass eine Impfdose auf mich wartet? Ich hätte nicht viel gefragt und mich impfen lassen.
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