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Bitte keine Panik22. Jun. 18:00

Bitte keine Panik

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Amerika ist der Corona-Hotspot, Europa atmet auf – und die Lage ändert sich laufend. Aber zu viel Aufgeregtheit tut auch nicht gut In nicht einmal zwei Wochen beginnen die Sommerferien, und rund zwei Drittel der Österreicher wollen sie lieber im eigenen Land verbringen – Corona, man weiß schon. Jeder Vierte aber hat nach Monaten der Entbehrungen die Nase voll und will Meerluft schnuppern – Corona? Ist doch eh schon überstanden. Ist es? Rund 450 Covid-19-Infizierte in Österreich, ein kleiner Cluster beim Rotarier-Treffen da, einer im Rathaus dort: Österreich liegt bei der erfolgreichen Bekämpfung des Virus im internationalen Spitzenfeld. Zugleich meldet die WHO einen Rekord bei Neuerkrankungen: 183.020 Fälle an einem Tag weltweit, das gab es noch nie. Nein, Corona ist noch lange nicht überstanden. Und zwei Irrglauben darf man sich nicht hingeben: Erstens, dass Corona weit weg sei, weil ein Gutteil der neuen Fälle in Nord- und Südamerika aufgetreten ist. Mit „weit weg“ haben wir uns schon einmal geirrt, damals, als Wuhan uns interessierte wie das sprichwörtliche Radl, das in China umfällt. Zweitens, dass das Virus nur dort wild wütet, wo sich Realitätsverweigerer vom Schlage eines Donald Trump oder Jair Bolsonaro an ihrem Volk versündigen. Das Virus unterscheidet nicht mehr zwischen Populisten und verantwortungsvollen Staatenlenkern, es bahnt sich seinen Weg, wo es kann. In Israel, einem der Vorzeigeländer im Kampf gegen Corona (Vorbild für die heimischen Corona-Busters), warnt der Geheimdienst angesichts eines deutlichen Anstiegs der Neuinfektionen vor einer enormen zweiten Welle; in Deutschland, bisher ähnlich gut wie Österreich unterwegs, liegt der Reproduktionsfaktor plötzlich bei 2,88 statt bei maximal 1, man hofft, dass es „nur“ an der Fleischfabrik liegt; selbst im längst Corona-freien Neuseeland tauchten, eingeschleppt aus Großbritannien, zwei neue Fälle auf. Schön, wenn man alle so eingrenzen könnte. Und schön, wenn es für die Corona-Entwicklung eine Erklärung gäbe – aber es gibt Hunderte, oft einander widersprechende: Schulen als Virenschleuder; Kinder sind keine besonderen Spreader; Virus verschieden aggressiv; symptomfrei Erkrankte nicht immun; Wundermittel da; noch keine Impfung dort; Virus auf Lachsschneidbrett entdeckt; und in italienischem Kanal, lange vor Wuhan; Wuhan vor Kanal; und und und. Wenn dann so etwas wie eine zweite Welle bei uns anrauscht, möchte man sich die mediale Aufgeregtheit, das gierige Zählen der ersten Fälle nicht vorstellen. Daher: den Sommer genießen, wo immer. Im Bewusstsein, dass wir vergleichsweise auf einer Insel leben. Und Corona nicht weg ist. Nicht einmal weit weg. Aber auch in der Hoffnung, dass eine allfällige zweite Welle schon ganz anders, lokaler, treffsicherer in den Griff zu kriegen sein wird, ohne das Virus von Angstmache und Panik. Denn dieses Virus ist aus vielen Gründen mindestens so gefährlich wie Covid-19.
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