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12. Jan. 5:14

Heimweh

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Wenn die Eltern im Heim sind, geht es manchmal nur darum, einfach da zu sein. „Eigentlich“, sagte mein Freund im Herbst zu mir als man tagsüber noch keine dicke Jacke brauchte und wir gemeinsam im T-Shirt am Spielplatz saßen, „sind es gar nicht die Kinder, durch die man merkt, dass man älter wird. Weil man ja irgendwie mit ihnen mitwächst. Es sind die Eltern.“ Sein Vater kam damals ins Heim, weil es nicht mehr anders ging. Er lebt in einer anderen Stadt und will auch dort bleiben. Man kann Menschen nicht einfach umtopfen wie Balkonpflanzen. Erst recht nicht, wenn sie mit einem Ort verwachsen sind seit ihrer Kindheit. Also telefoniert mein Freund täglich mit ihm, zumindest zehn Minuten oder wie lange es eben für beide gutgeht. Es sind meist belanglose Gespräche über das Essen, das Wetter, die Medikamente, die anderen Heimbewohner, die Pflegerinnen, die Fußballergebnisse der Regionalliga. Manche Gespräche sind traurig. Weil der Vater weg möchte, zurück in die Wohnung in der Stadt und sich mein Freund daran erinnert wie er damals vom Schikurs nach Hause wollte, weil er so unglücklich war und sein Vater sich mitten in der Nacht ins Auto gesetzt hatte, um ihn zu holen. Dann tut es ihm weh, dass er ihn nicht einfach abholen kann und zurück nach Hause bringen. Und er versucht ihn zu trösten. Damit dass das Heim schön liegt, was es wirklich tut, im Grünen mit Blick auf die Berge. Doch der Vater wäre lieber wieder in der Stadtwohnung, die an der Hauptstraße liegt, in der die alten Türen knarren und die Gläser im Wohnzimmerkasten klirren, jedes Mal wenn ein Laster vorbei fährt.
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