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Das Ringen um die Nachfolge Angela Merkels geht in die nächste Runde. Sie zeigt derweil, was Deutschland und Europa an ihr haben „Es reicht einfach nicht, was wir hier machen […], um das Unheil von uns abzuwenden. Ich persönlich bin einfach der Meinung, dass wir die Mittel in der Hand haben, uns dem Virus entgegenzustemmen und mit ihm umzugehen.“ Alleine die Art und der Ton, mit dem Angela Merkel diese Woche vor ihre Länderchefs und die Öffentlichkeit trat, war eine Wohltat. So will man in diesen Corona-Tagen angesprochen werden. Wir in Österreich kennen es auch anders, die Stakkato-Alarminszenierungen im Frühjahr und die Informationsflaute jetzt. Die deutsche Kanzlerin setzt ihre Auftritte dosiert und sagt, wenn sie etwas zu sagen hat. Und man kann die Botschaft nehmen. Szenenwechsel: In Berlin treten heute die Herren Röttgen, Laschet und Merz virtuell gegeneinander an. Ein freundlicher Ex-Minister, ein biederer Länderchef und ein überehrgeiziger Ich-will-endlich wollen zeigen, dass sie jeweils der beste Nachfolger für die CDU-Chefin und Kanzlerin wären, und der Haudrauf im Schafspelz aus Bayern, Markus Söder, kommt für Letzteres ja auch noch infrage. Und da dämmert das schier Unglaubliche wieder: Die Ära Merkel endet gerade. Eigentlich endet sie seit zwei Jahren. Im Oktober 2018 hat Angela Merkel verkündet, nicht mehr für den nächsten Parteivorsitz zu kandidieren, aber Kanzlerin bleiben zu wollen. Sofort hoben kluge Kommentatoren den Finger: Schlagt nach bei Schröder, ein Kanzler, der nicht auch Parteichef ist, kann schwer regieren. Merkel strafte das, wie so viele andere Prognosen, Lügen. Sie regiert, entschlossener denn je. Nur ihre Partei hat seither eine Parteichefin (AKK) verbraucht und ein Nachfolge-Herumgezupfe der Sonderklasse. Nein, Angela Merkel hat nicht alles richtig gemacht als Kanzlerin und CDU-Chefin. Den Übergang zu ihrer Nachfolge nicht, und an ihrem „Wir schaffen das“ zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise hatte und hat Europa zu kauen. Aber sie hat vieles richtig gemacht. Das, was man ihr als Zaudern vorwirft, die Politik der kleinen Schritte, macht auch ihre Solidität aus. Die Pastorentochter aus dem Osten war nie eine Visionärin und Luftplaudererin wie ein Emmanuel Macron, aber eine Pragmatikerin, die Deutschland mehr als gut durch sehr wogende Zeiten gelenkt hat. Die eine Führungsrolle in Europa innehat, ohne eine alles niederdrückende deutsche Dominanz. „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, sind ein Stück vorbei“, hat sie einmal angesichts von Trump und Brexit gesagt – gut, dass noch eine wie sie da ist, auf die Verlass ist. Auch Angela Merkel kann Corona nicht aufhalten oder Europa einen. Und wenn das CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble sagt, der Merkel-Abschied ist nicht das Ende der Welt, hat er natürlich recht. Aber fehlen wird eine wie sie. Diese Woche hat es wieder gezeigt.
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